13.04.2021

Planung ist alles

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Ein seit hundert Jahren unbewohntes Haus im engen Ortskern von Soglio im Schweizer Bergell, ein Schreiner vor Ort, ein Innenarchitekt im vier Autostunden entfernten Baselbiet: Da halten sich die Freiräume bei der Zusammenarbeit in Grenzen. Planung ist stattdessen alles.

Üblicherweise baut Schreinereibesitzer Bruno Clalüna aus dem bündnerischen Bondo neue Möbel so, dass sie alt aussehen. Mit seinen 25 Mitarbeitern ist er zumeist für Innenarchitekten im Tal oder für Auftraggeber jenseits des Malojapasses im Oberengadin tätig. «Meistens geht es darum, neue Einbauten im althergebrachten Stil zu realisieren.» Vor neue Herausforderungen wurde Clalüna jedoch bei der Renovation der Casa Sott Pare 31 mitten im Ortskern von Soglio, zur Gemeinde Bregaglia gehörend, gestellt: Das Haus war seit mehr als hundert Jahren unbewohnt und der auftraggebende Innenarchitekt Christian Speck kam aus dem vier Autostunden entfernten Baselbiet. Im Herbst 2007 legte Speck seine Ideenskizzen auf den Tisch: moderne, hochpräzise Einbauten als Ergänzung und Kontrast zur alten Substanz des Hauses. «Jedes Detail war gezeichnet, jede Schraube und jeder Beschlag vorbestimmt», erinnert sich Clalüna. «Das war für uns neu, hat uns die Arbeit dann aber zum Teil auch erleichtert.»

«Jedes Detail war gezeichnet, jede Schraube und jeder Beschlag vorbestimmt.»

Bruno Clalüna, Schreiner

Ein Wohnhaus, kein Museum

Wie alt das Haus ist, weiss niemand. Innenarchitekt Christian Speck vermutet, dass es in der Form, die er vor der Renovation vorfand, seit dem 18. Jahrhundert existiert. Bewohnt war es nur kurz, danach diente es über hundert Jahre lang als Stall und Lagergebäude.


Ein Einheimischer hatte vor wenigen Jahren mit Umbauarbeiten begonnen, unter anderem mit dem Einbau einer Terrasse im Dachgeschoss. Er verkaufte das Haus dann aber an die heutigen Besitzer, die es mit Hilfe von Christian Speck zu ihrem neuen Wohnsitz machen wollten. Keine Wand im Haus war gerade, die Auflagen des Heimatschutzes gross, die Räume klein, die Treppenhäuser eng. «Ich wollte aus dem Haus aber kein Museum machen», sagt der Innenarchitekt. Er beschloss, möglichst viel Substanz stehen zu lassen und mit zeitgemässen Einbauten zu ergänzen.

Ortsansässige Handwerker

Christian Speck musste ganz von vorne beginnen: Das Haus hatte nie eine Heizung, geschweige denn eine Wärmedämmung besessen. Gäste- und Schlafzimmer erhielten deshalb Wandtäfelungen mit integrierter Wandheizung und dahinterliegender, diffusionsoffener Isolation. Die Bruchsteine der Aussenmauern liess Speck mit einem Isolierputz auf Kalkbasis überziehen. So stellte er sicher, dass der Feuchtehaushalt der Wände trotz Isolation und Verkleidung noch funktioniert. Mit wenigen Ausnahmen setzte Christian Speck auf ortsansässige Handwerker: «Ich wollte einen Schreiner, der mit den Hölzern aus dem Tal umgehen kann. Zudem liess mir die grosse Distanz zu den Betrieben, mit denen ich sonst arbeite, gar keine andere Wahl.»

«Ich wollte einen Schreiner, der mit den Hölzern aus dem Tal umgehen kann.»

Christian Speck, Innenarchitekt

Zusammen in der Werkstatt

Innenarchitekt in Soglio und begleitete die Arbeiten vor Ort. Entsprechend eng war denn auch die Zusammenarbeit mit Bruno Clalüna. Der Schreiner empfand dies positiv: «Die Produktion der Einbauten stellte uns immer wieder vor neue Herausforderungen.» Christian Speck kam seine langjährige Erfahrung mit Schreinerarbeiten zugute: «Ich weiss sehr genau, was machbar ist und was nicht.» So stand er öfters auch selber in Clalünas Werkstatt im Nachbardorf Bondo, um zu zeigen, wie er sich die Bearbeitung des jeweiligen Werkstücks vorstellte. «Wir haben in dieser Zeit viel gelernt und eine interessante Arbeit gemacht», sagt Bruno Clalüna.


Hier Vorgaben, da Freiraum


In anderen Bereichen erhielt der Schreiner vom Innenarchitekten freie Hand, beispielsweise bei der Auswahl der passenden Bretter für die sägerohen Holzböden. Hier sei ihm Clalünas Wissen über die Tauglichkeit der Hölzer im Tal wichtig gewesen, betont Christian Speck. Nachdem Clalüna in Frage kommende Materialien gefunden hatte, erstellte er Muster und bestimmte zusammen mit dem Innenarchitekten Breite und Holzstärke. Beim Anschluss der Einbaumöbel an die unebenen Wände waren die Vorgaben des Innenarchitekten dann wieder strikt.

Schreinern direkt im Haus

«Ungleichheiten fangen wir üblicherweise mit Deckleisten auf», sagt Clalüna. Christian Speck hingegen schwebten präzise eingepasste Möbel vor. Der Schreiner musste seine Arbeitsabläufe deshalb umstellen: Nur ein Teil der Möbelstücke liessen sich in der Werkstatt vorfertigen, viele Anpassungsarbeiten konnte sein Team nur direkt vor Ort ausführen. Den Rahmen des Küchenschrankes beispielsweise bauten die Schreiner grösstenteils direkt im Raum, massen ihn dann aus und produzierten die zugehörigen Schubladen und Kastentüren anschliessend in der Werkstatt. Die Arbeit direkt im Haus war allerdings nicht ganz einfach: «Durch die Enge des Hauses hatten wir wenig Platz.»


Alt und Neu in Harmonie



Der Innenarchitekt war beharrlich, der Schreiner versiert und flexibel, die Zusammenarbeit intensiv – und das Resultat ist überzeugend: Das Zusammenspiel der historischen und der neuen Elemente im Haus funktioniert. Die Geschichte bleibt ablesbar, ohne dass die Bewohner auf Komfort und ein modernes Wohnambiente verzichten müssen. 134 m2 Fläche haben an Grösse gewonnen. Nur die Treppen sind so steil und eng geblieben, wie sie es jahrhundertelang waren. Das allerdings ist gewollt: Das Besitzerpaar ist im Pensionsalter und will sich fit halten.

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