10.11.2020
Wir sorgen für Multifunktionalität im Mikrokosmos

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Die Nachfrage nach Microliving dürfte weiter steigen. Doch um Komfort in diese Kleinstwohnungen zu bringen, braucht es smarte, verschiebbare Lösungen. Das sagt Marek Bolardt, Direktor Marketing & Produkt Management der Hawa Sliding Solutions AG aus der Schweiz, dem führenden Hersteller von Schiebesystemen.

Herr Bolardt, der Architekturwettbewerb Hawa Student Award 2020 widmete sich ganz dem Microliving. Weshalb?

Das Hauptziel des Hawa Student Awards, den wir zum fünften Mal vergeben haben, ist klar: Wir wollen Architekturstudierende fördern – und spüren, wie die nächste Generation von Architekten tickt. Aber wir versprechen uns durch die Projekte auch neue Einsichten. Deshalb setzen wir bei der Ausschreibung auf Themen, welche die Zukunft von Wohnen, Arbeiten und Leben verändern dürften. Microliving haben wir als Megatrend identifiziert.

Sie gehen davon aus, dass Microliving noch an Bedeutung gewinnt?

Ja. Unsere Wohnbauten orientieren sich meist am kleinbürgerlichen Modell des Familienhaushalts. Doch unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant verändert. Die Urbanisierung und die Individualisierung schreiten voran. Weltweit strömen jedes Jahr Millionen von Menschen in die Städte, was den Wohnraum dort verteuert. Single-Haushalte bilden in den Industrieländern die Wohnform Nummer eins. Der Personenkreis reicht von Studenten über Geschiedene bis zu Geschäftsleuten. Sie alle wohnen in der aktuellen Lebensetappe allein, wollen aber auch soziale Bedürfnisse abdecken. Für diese Anliegen müssen wir neue Wohnkonzepte entwickeln. Dabei ist es wichtig, den knappen Platz bis zum letzten Zentimeter zu nutzen.

Inwiefern kann Hawa Sliding Solutions zu neuen kompakten Wohnformen beitragen?

Die zentrale Frage bei Microliving lautet: „Wie gelingt verdichtetes Wohnen ohne Abstriche bei der Lebensqualität?" Genau diese Problemstellung treibt auch uns an. Mit Schiebesystemen wollen wir Flexibilität in Räume bringen, um auf wenig Wohnfläche viel Wohnwert zu erzielen. Das ist mit Schiebetüren nur schon möglich, weil der Drehraum fürs Türblatt entfällt. Darüber hinaus haben wir Lösungen entwickelt, die auch in puncto Schallschutz, Diskretion und Design neue Maßstäbe setzen. Im Mikrokosmos sorgen wir für Multifunktionalität. Und diese ist der Schlüsselfaktor, um den Wohnkomfort und die Lebensqualität in kleinen Räumen zu verbessern.

Worin lagen die grössten Herausforderungen beim Hawa Student Award 2020?

Die Studierenden mussten ein Gebäude mit 250 bis 300 Kleinstwohnungen und gemeinsamen Infrastrukturen für ein Areal in Zürich bauen. Schwierig war dabei, dass sie sich nicht nur auf smarte Wohneinheiten konzentrieren konnten. Vielmehr galt es, den Gesamtbau auch im Kontext des Quartiers einzuordnen.

Das Siegerprojekt schlägt ein 35-stöckiges Hochhaus vor. Welche Antworten für zukunftsträchtiges Microliving liefert es?

Das Hochhaus ist harmonisch ins bestehende Areal in Zürich eingebettet. Vor allem aber hat uns überzeugt, wie die durchdachten Grundrisse der Apartments dank verschiebbarer Elemente flexible Raumnutzungen ermöglichen. Diese sind in Zeiten von Home Office wichtiger denn je. So ist es etwa praktisch, wenn man mit einem Handgriff einen Arbeitstisch hervorzaubern kann – oder durchs Schieben einer Tür eine Rückzugszone entsteht. Beeindruckend ist zudem, wie trotz der Kleinheit großzügige Stauräume vorhanden sind. Das Siegerprodukt veranschaulicht, wie sich mit Schiebelösungen einfach Bewegungsfreiheit und Weite schaffen lässt. Daneben befasst es sich mit dem Lebensgefühl und der dynamischen Kultur der Bewohner. Neben einer gut organisierten Privatsphäre stehen Begegnungszonen zur Verfügung. Diese fördern den sozialen Austausch, was wiederum die Zufriedenheit erhöht.

Somit sind Verdichtung und Privatsphäre keine Gegensätze?

Nein. Microliving verbindet den Gemeinschaftsgedanken mit Privatsphäre. Zwischen der kleinen Wohnung und der Umgebung findet ein Wechselspiel statt. Man begnügt sich mit einer reduzierten privaten Wohnfläche, dafür profitiert man von gemeinsamen Infrastrukturen und halböffentlichen Zonen. Wieviel Privatsphäre man wünscht, lässt sich beispielsweise mit Schiebeläden, die Ein- und Ausblicke regeln, bestimmen.

Welches ist der wichtigste Tipp, um die Wohnqualität auf wenig Raum zu verbessern?

Je knapper die Fläche, desto mehr Sorgfalt ist bei der Planung gefordert. Die Wohnqualität hängt weniger von der Fläche, als vielmehr von den Nutzungsmöglichkeiten ab. Wenn nun die Elemente im Raum nicht statisch, sondern beweglich sind, kann man diesen immer wieder „umprogrammieren". Wer mehr kreative Ideen wünscht, ist mit unserem Webinar „Microliving – Große Chance für kleine Räume" gut bedient. Außerdem beantworten wir Fragen gerne persönlich.

Das Interview führte Stephan Lehmann-Maldonado für SO!APART Serviced Apartments.

Sortimente
Am Bau, Im Bau, Am Möbel
Segmente
Hospitality, Residential
Thema
Microliving
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